Sonntag, 22. Oktober 2017
Thema der Woche | 19. Oktober 2017

"Das Kapital" der Reformation

"Martin Luther & Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung" in der Waggonhalle – Foto: Waggonhalle

Es ist eine scharfe Kritik an Martin Luther, an der institutionellen Religion und am Kapitalismus: In Dieter Fortes Anfang der 1970er Jahre veröffentlichten Stück "Martin Luther & Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung" wird Luther als Spielball der Mächtigen dargestellt, an deren Spitze weder Kaiser noch Kurfürst, sondern der Großkaufmann Fugger steht. Dieser wiederum nutzt sein Kapital gegen das von Münzer geführte Volk in den Bauernaufständen.

Die Waggonhalle bringt das Stück unter der Regie von Annina Munk und Willi Schmidt in Kooperation mit dem Evangelischen Dekanat der Wetterau auf die Bühne.

"Weil das einen ganz radikal anderen Blick auf die Reformationszeit und Luther wirft", sei er auf das Stück gekommen, berichtet Willi Schmidt. Autor Forte benutze das Beispiel Reformation für eine "radikale Kapitalismuskritik, die die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik deutlich macht".

Zu seiner Zeit war das Theaterstück von Forte ein Welterfolg, heute wird es eher selten gespielt. So seien die Arbeiten an der Bühnenfassung auch deshalb besonders aufwändig gewesen, weil in dem gut 200 Seiten langen Text von Forte über 60 verschiedene Figuren auftauchten, berichtet Schmidt. Für die Marburger Aufführung habe das Stück stark überarbeitet und die Zahl der Rollen begrenzt werden müssen.

Die Handlung: Albrecht von Brandenburg möchte Erzbischof von Mainz werden und nimmt hier für einen Kredit von den Fuggern auf, dieser soll mithilfe von Ablassreliquien und Handel getilgt werden. Er wird zum Ablass­kom­missar ernannt. Kurfürst Friedrich bekommt Wind von dieser neuen Markteröffnung und möchte diesen unterbinden, da sein eigener Markt darunter leidet – nicht aus religiöser Überzeugung, sondern weil die Finanzen leiden. Sein Berater Spalatin wird in diesem Sinne zu Luther geschickt, und dieser wird ermutigt seine 95 Thesen gegen den Ablass zu veröffentlichen.

Die Kirche fasst die Thesen ketzerisch auf, auf dem Reichstag von Augsburg soll daraufhin Friedrich Luther der Kirche ausliefern, doch dieser schützt Luther aus eigenem Interesse. Kaiser Maximilian stirbt, bevor er die Religions­an­ge­le­gen­heiten im Reich, sowie seine Nachfolge klären kann. Die Mächtigen dieser Zeit beschäftigen sich nun mit der Nachfolge, in der Fugger als Finanzier mit Bestechungsgeldern großen Einfluss ausüben und geltend machen kann und so fällt die Wahl auf Maximilians Enkel Karl.

Luthers verursachten Wirbel in der Gesellschaft soll auf dem Reichstag in Worms geklärt werden, indem er widerruft, jedoch möchte Friedrich, dass Luther standhaft bleibt. Friedrich lässt Luther entführen, um ihn zu schützen und die Kontrolle zu behalten. In der Wartburg, welche als Schutz­domizil fungiert, kann Luther die Bibel ins Deutsche übersetzen. In der Zwischenzeit machen sich Karlstadt und Münzer stark für gesellschaftliche Veränderungen.

Münzer bekommt immer mehr Einfluss und stiftet Aufstände an, jedoch siegen die Fürsten und Münzer verliert sein Leben. Am Ende des Stücks betrachtet das Unternehmen Fugger seine Bilanz und freut sich über den Gewinn und dies trotz – oder wegen – der turbulenten Zeit.

Termine
"Martin Luther & Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung" wird am Dienstag, 24.10. und Mittwoch, 25.10., in der Waggonhalle aufgeführt

kro/pe

Tipp des Tages

Der Bär geht spazieren

Dem Bär ist im Zoo langweilig, denn immer schauen ihn die Leute an. Doch heute ist die Tür offen und der Bär geht spazieren. So muss Kasper seinen Freund den Bären suchen, der für Aufregung sorgt. Aber mit Hilfe der Kinder wird sich alles zum Guten wenden. Das Stück Der Bär geht spazieren beruht auf eine Hörspielfassung des Puppenspielers Friedrich Arndt von der Hohnsteiner Puppenbühne aus dem Jahr 1967. Es spricht Kinder im Kindergartenalter an und dauert ca. 30 Minuten.
So 22.10. | 15 Uhr | Marburg | Puppenbühne | Weidenhäuser Str. 15
 
Tipp der Woche

Howdie­mania

War Hank Williams nur ein kleiner, zugedröhnter Countryfuzzy oder eben doch der erste richtige Rock'n'Roller? Ist Bukowski Kunst oder einfach nur besserer Trash als Lassiter? Provoziert Ginsberg immer noch? Steigt irgendjemand zu Kerouac ins Auto? Howdiemania riecht nach Pferdeschweiß und Pomade, nach Bier und Diesel, nach Lagerfeuer und Parfum. Carsten Beckmann von der Marburger Lyrikkompanie und Moonages-Bassist Guido Pöppler spielen Rockabilly, Country und Americana im Westentaschenformat und fleddern sich durch die dazu passende Literatur.
Mi 25.10. | 21 Uhr | Marburg | Q
 
Live – Kommende Highlights

Foto: Steven
Haberland
Katrin Troendle

In ihrer Show "Das Beste kommt zum Schluss" zieht die Entertainerin, Kabarettistin & Sängerin Katrin Troendle Bilanz. Ein Rück- und Ausblick, eine Hommage an sich selbst und eine Liebeserklärung an das Leben, der bei der "Sachsendiva" auch diesmal nicht ohne kleine Ausflüge in den sächsischen Dialekt auskommt. Zu einem leckeren Buffet präsentiert Ihnen die mehrfach preisgekrönte Kabarettistin aus Leipzig mit ihrem Pianisten Jan Mareck Delikatessen aus ihren Solo-Programmen. Diese bestehen aus den bewährten Ingredienzien: brillant, bissige Dialoge mit Musiknummern, zwischen krachwitzig und bitterernst aber immer charmant.
Fr 24.11.| 20.15 Uhr | Reiskirchen | Bürgerhaus
Freikartenverlosung: Fr 27.10. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 

Foto: Steven
Haberland
Frohlein Jule und Mister Zolli

Beim Clown-Theater für Erwachsene, das die Herzen und Seelen berührt, tauchen Sie für zwei Stunden in eine Welt, die Ihnen fremd ist und doch vertraut. Garantiert wird ein absurd komischer Abend mit Tiefgang inmitten dieser schnelllebigen Zeit. Auf der Bühne stehen zwei Clowns, die sich unerwartet begegnen und erleben, dass sich ihre Welt auf den Kopf stellt. Es geht um Tod und Leben – wo das Glück hin fällt, wächst kein Gras mehr. Doch Clowns nehmen den Ernst des Lebens mit heiterer Gelassenheit.
Do 16.-So 19.11. + Sa 25.11. | Marburg | Waggonhalle
Freikartenverlosung: Fr 3.11. | 16 Uhr | Tel. 06421/684443
 
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